Kurioses, offene Fragen und Nachdenkliches

Kurioses fanden wir mehr im Norden als im Süden, einfach weil für uns dort doch mehr fremd angemutet hat, als im Süden. Das ist zum einem der fast religiöse Führerkult, der z.B. in der StaatsBlumenschau mit Pflichtfoto sehr seltsam wirkt, aber in den karaokegesungenen Liedern mit Lebensfreude vorgetragen wird. Es schien, als ob in fast jedem Lied einem der beiden Älteren Kims gehuldigt wird. Zum anderen aber auch Unerwartetes, wie der im frostig runtergekühlten Restaurant weihnachtlich geschmückte Nadelbaum (nein, das sei kein Tannenbaum, sondern eine einheimische schön geschmückte Kiefer 🙂 ….übrigens hing auch unserer Stammkneipe Weihnachtsdeko!), die Eiswürfel im Pissoir oder fast Schokierendes, wie die Circusnummer mit der überdimensionierten Maschinenpistole
oder die für uns überzogene Angst vor amerikanischen Spionen/Attentäter, wie sie uns gegenüber unser jüngerer Reisebegleitee zum Ausdruck brachte.
Aber auch der Süden hatte so manch Kurioses zu bieten, z.B. die Gartenzwerge in der Hotellobby, die Kirche auf dem Hochausdach mit Leuchtreklame und die vielen falschen Hakenkreuze, die buddistische Einrichtungen kennzeichnen.

Nicht alles was wir gesehen und gehört haben, ob in Nord oder Süd, haben wir verstanden, manches bestimmt auch missinterpretiert.
Boten die Frauen, die in der Nebenstrasse des Hotels in Ansan/Südkorea auf schäbigen Stühlen und nicht auffällig gekleidet waren, ihre Dienste an? Oder saßen sie nur draußen, da ihre Wohnung mangels Klimaanlage zu heiss und man hier mehr Geselligkeit genießen konnte?
Im Norden begleitete uns immer die Frage, ist das, was wir zu sehen bekommen nur für Touristen schöngefärbt? Wie viel Realität haben wir erlebt? Welche Einblicke in das Leben Nordkorea ermöglichte uns der Blick aus dem Busfenster?


Eine FAQ, die uns immer wieder gestellt wird: Konntet ihr auch mit normalen Bürgern sprechen? Wenn wir überlegen, mit wieviel „Normalbürgern“ man sonst im Urlaub in Kontakt kommt und wie viele Einheimischenbehausungen man besucht… Wenn wir an die vielen Hotel- und Strand Urlauber denken, dann ist das einzige Landestypische was sie aus dem Urlaub mitbringen ein, zwei Lieblingsurlaubsgetränke und -Speisen und ein paar Souveniere, aber viel über das Land, die Gebräuche, Sitten und das Gesellschaftssystem haben sie nicht erfahren und sind, so wie wir, den Einheimischen nur als Reiseführer, Servicekraft oder Busfahrer begegnet.
So betrachtet ist unsere Quote in Nordkorea eigentlich gar nicht so schlecht, wenn auch Sie im Süden grösser war. Im Norden waren wir teilweise Begleiterlos im Schwimmbad und Spassbad, welches mehr als gut von Koreanern besucht war, Schülerinnen auf der Strasse haben uns schüchtern mit Hello gegrüsst und wir hätten mit ihnen ein paar Smaltalkworte wechseln können.
Aber da war die Sprachbarriere. Im Süden waren die Englischkenntnisse zwar auch teils miserabel, aber wir konnten Googletranslater nutzen oder uns mit Händen und Füssen verständigen. Letzteres hätte auch im Norden funktioniert, wenn wir uns freier hätten bewegen dürfen und mal alleine in eine Bar oder einkaufen gehen können. Das durften wir aber eben (noch?) nicht, aber vielleicht dauert es gar nicht mehr so lange, bis dies möglich ist.
Unsere Guides haben uns aber in den 2 Wochen dann doch sehr viel über die Wirtschaft und ihre Landsleute, über das Heiraten, Beerdigungsrituale etc. erzählt, teils weil wir hartnäckig nachgefragt haben, teils weil es sie stolz machte darüber zu erzählen. In erster Linie war ihr Anspruch aber der eines Touristenführers…und die wollen in erster Linie ihr Wissen zu den Sehenswürdigkeiten und Traditionen an Mann und Frau bringen und selten schlecht über ihr Land reden. Die Auswahl der Sehenswürdigkeiten war in Nordkorea aber nicht frei wählbar…WIR hätten das Programm ganz anders gestrickt, denn noch buchen wir keine Seniorengerechten Hotel-Busrundreisen, sondern urlauben lieber schlicht und gerne etwas sportlicher.

 

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