Nachbetrachtung – Nordkorea wie die DDR?

Uns hat der Alltag langsam wieder im Griff. Nach der Nachurlaubswaschorgie ging es für Maleika gleich mit entspanntem „Büroschlaf“ los, während Niko die ersten Tage zum Überwinden des Jetlags nutzte, das Bild- und Videomaterial sicherte und sichtete und von der Vielzahl der Aufnahmen etwas erschlagen war.

Am Freitag (17. August) waren wir in der Berlin-Vorpremiere des Gundermann-Films. Gundermann war Baggerfahrer im Braunkohletagebau und ein über die Grenzen der DDR hinaus bekannter Liedermacher. Er nahm kein Blatt vor den Mund, war überzeugt vom System und davon, dass jeder Einzelne dazu beitragen kann, es besser zu machen. Folgerichtig war er Mitglied der SED, arbeitete mit der Stasi zusammen, wurde später aus der Partei ausgeschlossen und ausgespäht. Nach der Wende hat er dafür gesorgt, dass seine Täterakten öffentlich gemacht wurden. Seine Opferakten hingegen sind verschollen.

Hatten wir während unseres Aufenthalts Kontakt zum Nordkoreanischen Staatsicherheitsdienst? Möglich, wahrscheinlich, obwohl die Anzahl der Nordkoreaner, mit denen wir näher zu tun hatten, eher überschaubar war. Wir können uns nicht erinnern, zu unserem  Leben in Deutschland und zu persönlichen oder beruflichen Aspekten befragt worden zu sein.

Nordkoreatouristen bekommen immer zwei Reisebegleiter an die Seite gestellt. Da liegt es nahe zu vermuten, dass sie nicht nur ihre Touri-Schäfchen, sondern auch sich gegenseitig im Auge behalten sollen. In unserem Fall sprachen sie unterschiedliche Fremdsprachen. Mit dem jüngerem Guide unterhielten wir uns in Englisch, mit dem älteren in Deutsch. Auch wenn sie in der Lage waren teilweise die andere Fremdsprache auch zu verstehen, wenn wir im Sprachwirrwar die falsche Sprache wählten, wurden wir nicht verstanden. Interessant war zudem die Kombination: der eine mit über 60 aus eher einfachen Verhältnissen,  der andere Anfang 30, frisch verheiratet und aus wohlhabenderen Verhältnissen.  Auch wenn wir nicht wirklich Kontakt mit sonstigen Einheimischen bekamen, lieferten die Beiden uns eindrucksvolle Einblicke in die Sozialstruktur. So lebt der Jüngere schon in einer eigenen Wohnung in Pyongyang, wohnen der ebenso alte, verheiratete Sohn des Älteren mit Frau zusammen mit den Eltern und Bruder in einer kaum größeren Vorortwohnung.

Wie sich Maleika erinnert wurde in der DDR nicht nur die Einreise erfasst, West-Besucher mussten beim Hausbuchverantwortlichen bzw. der Gemeinde angemeldet werden und ihre Reiseroute wurde dokumentiert. Bei der Einreise mussten Geschenke an die Verwandten deklariert werden. Gepäck, Auto wurden manchmal penibel kontrolliert.

Wir mussten jetzt bei der Einreise die eingeführten Devisen angeben, ebenso wie die Anzahl der Speichermedien. Unsere Technik wurde kurz in Augenschein genommen, Niko’s Kopter kam wie erwartet in Gewahrsam. (Den Südkorea-Reiseführer hatten wir dann leider doch vergessen, wäre er beschlagnahmt worden?) Insgesamt war die Einreiseprozedur dann aber doch lascher als erwartet. Dies traf umso mehr für die Ausreise zu, wo nichts kontrolliert wurde. Neuer Wind?

Ähnlich wie in der DDR sahen wir auf Großbaustellen viele Soldaten im Einsatz. In Nordkorea gibt es laut unserer Guides keine Wehrpflicht, dafür gilt es als große Ehre, in den Militärdienst aufgenommen zu werden. Vermutlich sind damit Privilegien für die Familien verbunden, wie die private Nutzung von Militär-SUV mit schwarzem Nummernschild für Picknickausflüge, was wir mehrfach beobachten konnten. Aber dies gilt sicherlich nur für höherrangige Offiziere.
Die Unterkünfte der Baustellensoldaten hingegen wirkten sehr spartanisch, aber welche Baustellenunterkünfte bei uns ist schon eine Luxusunterkunft?

Die Grossbaustellen in Pyongyng und beim Masikryong-Skiressort waren zudem 24h Baustellen, von denen wir bei geöffnetem  Hotelfenstern aus Agitationssprüche und vor allem viel Musik vernehmen konnten. Mit Stolz wurden uns ganze Straßenzüge mit modern wirkendem Hochhäusern gezeigt, die vermutlich auf diese Art und Weise in wenigen Monaten hochgezogen wurden. Wäre das die Lösung für unseren BER-Flughafen?

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s